Free Jazz ist Ausdruck grenzenloser Freiheit. Und trotzdem ist Free Jazz nicht frei von Regeln. Scheint eine Improvisation auch noch so frei erdacht, liegen ihr doch bestimmte Muster, Werte und Formvorgaben zu Grunde.
“Let’s play the music and not the background”, sagte einst Saxophonist Ornette Coleman und prägte damit den Leitspruch einer ganz neuen Ära der Jazzmusikgeschichte. Das was bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in der klassischen E-Musik passierte, sollte in den 60er Jahren auch im Jazz Niederschlag finden. Musiker wie Ornette Coleman, John Coltrane und Cecil Taylor loteten nicht nur die Grenzen der Tonalität aus, sondern sprengten auch sämtliche Genre- und Formvorstellungen. Das führte gar soweit, dass man ein gesamtes Konzert als eine Art Jam-Session organisierte, in der keinerlei Noten oder sogenannte Leadsheets verwendet worden sind.
Der Hard Bop entwickelte sich Mitte der 50er Jahre als Gegenstück zum eher introvertierten Cool Jazz aus dem Bebop. Härter, temperamentvoller, aber zugleich ein wenig reduzierter als sein Vorgänger zeigte er sich hörbar von Blues- und Soulelementen beeinflusst.
Während sich der Cool Jazz Ende der 1940er Jahre als eher avantgardistische Variante des Bebop entwickelte, entstand ein wenig später (Mitte der 50er) der Hard Bop vornehmlich unter der Federführung afroamerikanischer Musiker. Elemente aus Soul und Blues hauchten dem Bebop neues Leben ein und verursachten den (wortwörtlich) härteren Klang des Hard Bop. Als Gegenstück zur introvertierten Spielart des Cool Jazz wirkte der Hard Bop deutlich animalischer, gleichsam unterhaltsamer und attraktiver für zahlendes Publikum. Was nicht heißen soll, dass Hard Bop als „leichte Kost“ zu gelten hat.
Scat-Gesang ist eine Art rudimentärer Gesang, der aus Wortfragmenten, Vokalisen und Silben besteht. Der Scat gibt Sängern die Möglichkeit der Nachahmung, Unterstützung oder gar des Ersatzes instrumentaler Partien durch die menschliche Stimme und dient somit der vokalen Improvisation.
„Ski-bi-di-bi-di-yum-da-dob-do“ – So oder so ähnlich schallte es aus vielen Radioempfängern im Jahr 1995, denn Scatman John hatte sich mit seinem Gesangskauderwelsch ganz nach oben in die internationalen Charts katapultiert. „Ski-Ba-Bop-Ba-Dop-Bop“ oder schlicht und einfach „Scatman“ hieß der Song, der dem mittlerweile verstorbenen Musiker zu weltweitem Ruhm verhalf. Mit seinem Euro-Dance-Pop scattete er sich in die Herzen seiner Zuhörer und brachte eine Gesangstechnik in die moderne Popkultur, die eigentlich schon lange Zeit vorher im Jazz praktiziert worden war.
Cool Jazz ist, wie der Name schon sagt, einer der kühlsten oder auch introvertiertesten unter den Stilen des Jazz. Er entwickelte sich Ende der 1940er Jahre aus dem Bebop und verstand sich in erster Linie als Kunstmusik.
Cool Jazz heißt so viel wie kühler oder introvertierter Jazz, ist deswegen aber keinesfalls kalt oder gar emotionslos. Er ist schlicht und einfach entspannter, zurückhaltender und dennoch komplexer als seine Vorgänger. Er entwickelte sich aus dem ohnehin vergleichsweise vielschichtigen Bebop und wurde stark beeinflusst durch die europäische E-Musik-Tradition.
Unvergessen bleibt Miles Davis’ Interpretation von “Time after time” und die Spontaneität des Jazztrompeters auf dem meistverkauften Jazzalbum überhaupt: “Kind of Blue”. Ob im Quintett für das modale Milestones-Album oder als Solist an der Seite anderer Jazzlegenden, sind seine Songs nicht “all blues”, aber doch “kind of blue”.
Wenn im Radio eine coole Trompete mit einer bluesigen Note jazzt, dann ist das kein anderer als der Jazztrompeter, Flügelhornist und Komponist Miles Dewey Davis. Der 1991 verstorbene US-amerikanische Musiker hat den Jazz eingängig geprägt und ihm immer wieder neue Gesichter entlockt.
Latin Jazz ist eine Art des Modern Jazz, die sich um 1947 aus der Verschmelzung von Jazztradition und lateinamerikanischen Elementen ergab. Seine Beliebtheit verdankt er vor allem den zackigen kubanischen Rhythmen, die selbst Tanzmuffel in Bewegung versetzen.
Als der kubanische Klarinettist Mario Bauzá in den 1940er Jahren auf den großen Dizzy Gillespie traf, muss sich das wie ein Feuerwerk der Leidenschaft angefühlt haben. Die komplexen, musikalischen Strukturen des Bebop begegneten den heißen kubanischen Rhythmen, die Bauzá aus seiner Heimatstadt Havanna mit nach New York brachte, und vereinigten sich im so genannten Cubop, einer frühen Form des Latin Jazz. Bestes Beispiel für den Charme, den dieser Stil versprühte ist „A Night in Tunesia“ in der Version von Mario Bauzá.
Bebop ist eine in den 1940er Jahren entstandene Stilrichtung des Jazz, die sich von seinem Vorgänger, dem Swing, hauptsächlich in Komplexität und Besetzung unterscheidet. Rasende Tempi und ausufernde Soloimprovisationen waren dabei keine Seltenheit.
Als in den 1940er Jahren die Mittel des Swing allmählich ausgeschöpft waren und der Erfolg vieler Big Bands kaum mehr zu übertreffen schienen, war die Stunde gekommen. Die Geburtsstunde des Bebop. Jungemotivierte Musiker trafen sich vornehmlich in der Gegend um Harlem, um in gemeinsamen Jamsessions dem Jazz neuen Auftrieb zu geben.
Unter den Kreativen befanden sich schillernde Persönlichkeiten wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Thelonious Monk. Der primäre Unterhaltungscharakter der Big Band war den selbstbewussten jungen Musikern zu bieder geworden. Sie wollten anspruchsvollere Musik machen, die kunstvoller und deutlich komplexer daher kam als die Musik der Vorjahre.
Swing ist eine Stilrichtung des Jazz, die sich in der Mitte der 20er Jahre entwickelte und von 1935 bis 1945 ihre Blütezeit erlebte. Auch heute noch gilt er als der populärste aller Jazzstile. Woran das liegt, soll hier geklärt werden.
Jazz war zwar schon immer im Grunde Unterhaltungsmusik, aber nicht immer auch leichte Kost für den Otto-Normal-Verbraucher. Die Komplexität des Bebop, die kühle Haltung des Cool Jazz oder die Freiheiten in der Improvisation des Free Jazz überfordern den ein oder anderen Hörer derartig, dass man heutzutage dazu neigt, diese anspruchsvollen Formen des Jazz sogar der E-Musik zuzuordnen. Beim Swing war und ist das anders. Die Popularität dieses Jazzstiles fußt nicht zuletzt in der vergleichsweise einfach verständlichen Spielart und im wirkungsvollen Auftreten der groß besetzten Big Bands. In der Swing-Ära entwickelte sich nicht ohne Grund eine ausgeprägte Tanzkultur.
Der Chicago Jazz entwickelte sich in den 1920er Jahren aus der Stilrichtung des New Orleans Jazz. Jedoch sind beide musikalischen Ausdrucksweisen einzigartig und sollten nicht verwechselt werden.
Als Louis Armstrong, Jelly Roll Morton oder King Oliver in den 1920er Jahren von New Orleans nach Chicago kamen, war ihnen sicherlich nicht bewusst, dass ihre Anwesenheit in der US-amerikanischen Stadt die Jazz-Welt grundlegend ändern sollte.
New Orleans Jazz und Dixieland Jazz sind zwei der ersten Jazzstile um 1900, die auseinander schöpften, sich gegenseitig beeinflussten und am Ende kaum mehr voneinander zu unterscheiden waren. Wir ergründen Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Louis Armstrong, Jelly Roll Morton, Joe King Oliver – große Namen, die Großartiges vollbrachten. Mit den Namen dieser Musiker sind nicht nur die Anfänge des New Orleans Jazz verbunden, sondern auch die Entwicklung des Jazz im Allgemeinen. Wie der Name schon sagt, entstand der New Orleans Jazz Ende des 19. Jahrhunderts vornehmlich im Ballungsgebiet New Orleans und war damit der erste Jazzstil überhaupt.