Charlie Parker – Der Vogel am Altsaxophon
Charlie Parker ist nicht einmal 35 Jahre alt geworden. Nichtsdestotrotz gilt er als eine der wohl schillerndsten Persönlichkeiten im Jazzbusiness der 40er Jahre und als Schöpfer des Bebop. Sein einzigartiger Umgang mit dem Saxophon bescherte ihm den Spitznamen Bird.
Charlie Parker gehört nicht in die Riege der Wunderkinder, die mit 5 Jahren die Liebe zu ihrem Instrument entdecken und mit 8 das erste Mal auf großen Bühnen stehen. Charlie Parker interessierte sich in seiner Schulzeit zwar bereits für Blasmusik und spielte gar in einem Orchester das Tenorhorn, seine Leidenschaft für das Saxophon, mit dem er später in die Geschichte eingehen sollte, entdeckte er allerdings erst im Alter von 17 Jahren.
Charlie Parker: Vom Autodidakten zum Profi
Hatte die Suche nach dem passenden Instrument lange angedauert, so sollte sein Aufstieg vom Amateur zum Profi umso schneller erfolgen. Kaum hatte er sich mit dem tiefen Holzblasinstrument angefreundet, spielte er auch schon in verschiedenen Bands und Orchestern. Sein Wissen über Musiktheorie und die richtige Intonation ließ allerdings vorerst zu wünschen übrig. So lange, bis ein einschneidendes Erlebnis alles verändern sollte…
Bei einer Probe mit der Count-Basie-Bigband zeigte sich Drummer Jo Jones so wutentbrannt vom mangelnden Können Parkers, dass er die Probe mit einem scheppernden Knallen seines Beckens verließ. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, widmete sich Parker nun stärker denn je der Musiktheorie. Der Gefühlsausbruch seines Bandkollegen scheint ihn dazu motiviert zu haben, etwas Besseres aus sich und seinem Instrument herauszuholen. Anschließend schien er wie geläutert, zeigte sich in Combos um Earl Hines und Billy Eckstine von seiner Schokoladenseite.
Bird and Diz
Im Jahr 1945 legte er schließlich zusammen mit Dizzy Gillespie den Grundstein für den Bebop und gründete mit ihm gemeinsam die erste in diesem Genre agierende Band. Wurde ihre Musik, die sich klar gegen die Tradition des Swing stellte, zunächst vehement kritisiert, so wusste sie sich schließlich doch durchzusetzen. Als Höhepunkt der Kollaboration beider Musiker entstand 1950 ein Album mit dem Titel „Bird and Diz“, bei dem auch der berühmte Jazzpianist Thelonious Monk mitwirkte.
Hochmut kommt vor dem Fall
Über die Jahre spielte Parker Aufnahmen für die Labels Dial Records, Mercury Records und Verve ein und musizierte mit Größen wie Miles Davis, Lester Young und Charles Mingus. Das knochenharte Jazzbusiness hinterließ allerdings Spuren in der Seele des jungen Charlie Parker. So wird angenommen, dass er schon im zarten Alter von 15 Jahren regelmäßig Heroin konsumierte und dadurch wohl seinen zeitigen Tod verursachte. Mit nicht mal 35 Jahren war sein Körper ausgemergelt, er quälte sich mit Leberzirrhose und Magengeschwüren und starb letztendlich an den Folgen einer Lungenentzündung am 12. März 1955 in New York.
Das Vermächtnis des Charlie Parker
In die Geschichte eingegangen ist er allerdings weniger durch seine Drogengeschichten als vielmehr durch seine einzigartige Behandlung des Saxophones. Seine Soli sprühten nur so vor virtuoser Kraft und Lebensfreude, überraschten durch Ideenreichtum und Dynamik. Außerdem lag ihm viel daran, den Jazz nicht als bloßen Zeitvertreib verstanden zu wissen. Nicht zuletzt durch ihn war es möglich geworden, den Jazz der 40er Jahre seiner Stellung als Unterhaltungsmusik zu entheben und ihn auf eine höhere Stufe zu führen. Der Bebop, den er zusammen mit Dizzy Gillespie und anderen Zeitgenossen geschaffen hatte, etablierte sich schließlich als eigenständige Kunstform.