Django Reinhardt: The King of Gypsy

Kategorie: Berühmte Musiker // Geschrieben von Christin

Django Reinhardt gilt als einer der Wegbereiter des europäischen Jazz und als Hauptvertreter des Gypsy.  Von anderen Musikern seiner Zeit hob er sich vor allem durch sein einzigartiges Gitarrenspiel ab, das ursprünglich zur Kompensation eines Handicaps diente.

Aus der Not eine Tugend machen – das konnte Django Reinhardt wie kaum ein anderer Jazzmusiker. Als er 1928 in Folge schwerer Verbrennungen seine linke Hand nur noch eingeschränkt bewegen konnte, entwickelte er eine neue Grifftechnik, die es ihm ermöglichte nur mit Zeige- und Mittelfinger zu spielen.

Das Greifen kompletter Akkorde oder gar die Verwendung von Barré-Griffen war Reinhardt mit nur 2 funktionstüchtigen Fingern kaum möglich. Zur Improvisation nutzte er vor allem die Single-Note-Technik, die ihn befähigte ganze Melodielinien mit aufeinanderfolgenden Einzelnoten zu spielen.

Django Reinhardt und seine Wurzeln

Django Reinhardt wurde als Sohn französisch-sprachiger Sinti (auch Manouches genannt) im Januar 1910 in Belgien geboren. Seine Kindheit verbrachte er zum Großteil in einer Wohnwagensiedlung nahe Paris. Da Vater und Mutter als Komödianten und Musiker umherzogen, begann auch Django schon zeitig sich der Musik zuzuwenden. Bevor er allerdings seine Liebe zur Gitarre entdeckte, war es ein anderes Saiteninstrument, auf dem er die Grundlagen erlernte: die Violine. Die Straßen und Bars des quirligen Paris lieferten Django die perfekte Umgebung sich kreativ zu entfalten. Hier kam er nicht nur zum ersten Mal mit dem Jazz in Berührung, sondern spielte auch regelmäßig vor Publikum.

Im Jahr 1928 hätte seine Karriere ein jähes Ende finden können, hätte er sich vom Wohnwagenbrand und seinen schweren Brandverletzungen entmutigen lassen. Sein Handicap an der linken Hand hielt ihn nicht davon ab sein Gitarrenspiel zu perfektionieren. Im Gegenteil: man kann vielleicht sogar sagen, dass es überhaupt erst durch dieses Handicap seine Einzigartigkeit erlangte.

Django Reinhardt im Quintette du Hot Club de France

Mitte der 1930er Jahre wurden Mitglieder des „Hot Club de France“ (eine Gruppe französischer Jazzliebhaber) in einem Pariser Café auf ihn aufmerksam und vermittelten ihm den Kontakt zum Violinisten Stéphane Grappelli, mit dem er alsbald ein Quintett gründete. Das Besondere daran: es handelte sich dabei um ein Ensemble, das ausschließlich mit Saiteninstrumenten besetzt war. Auch Djangos Bruder Joseph Reinhardt war fester Bestandteil dieser Kombo.

Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges trennte das Quintett, das sich derzeit überbordender Beliebtheit erfreute. Grappelli suchte Schutz in London, während Reinhardts Versuch in der Schweiz unterzukommen scheiterte und er sich in Paris nahezu verstecken musste. Schließlich entstammte er einer fahrenden Familie, die als Zigeuner von den Nazis verfolgt und zu großen Teilen in Konzentrationslager verschleppt wurde.

Auf Tour mit Duke Ellington

Da er als Mitglied des „Quintette du Hot Club de France“ auch über die Grenzen Frankreichs hinaus zur Berühmtheit geworden war, erhielt er 1946 ein Angebot von Duke Ellington, der als Pianist und Bandleader maßgeblich zur Weiterentwicklung des Swing beitrug. Mit seiner Band sollte er durch die USA touren – eine Chance, die Django leider nicht ausreichend zu würdigen wusste. Seine Eitelkeit und Unzuverlässigkeit machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Schon nach einer Woche erschien er nicht mehr pünktlich zu den Konzerten, oder machte sich erst gar nicht auf den Weg. Es hagelte Kritik von allen Seiten.

Etwas Positives hatte dieser kurze aber frappierende Ausflug in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten allerdings: Reinhardt lernte den Bebop und die E-Gitarre kennen und lieben. Beide sollten enormen Einfluss auf sein späteres künstlerisches Schaffen nehmen, wenn er dieses bis zu seinem Tode im Jahr 1953 auch nicht mehr häufig mit anderen Musikern auf großen Bühnen präsentierte, weil seine persönlichen Unpässlichkeiten es ihm versagten.

Der Personalstil Django Reinhardts

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Django Reinhardt wohl überhaupt der erste europäische Jazzmusiker war, der einen Individualstil entwickelte. So kombinierte er selbstbewusst die Folklore der französischen Sinti mit dem Jazz der 20er Jahre und erschuf eine neue Variante des Swing, die als Gypsy-Jazz in die Musikgeschichte einging. Vor allem aber revolutionierte er den Umgang mit der Gitarre und verleitete spätere Gitarristen zur Nachahmung seiner – eigentlich zur Kompensation eines Handicaps – entwickelten Spielweise. Ein Musiker, den es zu erinnern lohnt!

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