New Orleans Jazz vs. Dixieland Jazz – schwarze trifft weiße Musiktradition
New Orleans Jazz und Dixieland Jazz sind zwei der ersten Jazzstile um 1900, die auseinander schöpften, sich gegenseitig beeinflussten und am Ende kaum mehr voneinander zu unterscheiden waren. Wir ergründen Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Louis Armstrong, Jelly Roll Morton, Joe King Oliver – große Namen, die Großartiges vollbrachten. Mit den Namen dieser Musiker sind nicht nur die Anfänge des New Orleans Jazz verbunden, sondern auch die Entwicklung des Jazz im Allgemeinen. Wie der Name schon sagt, entstand der New Orleans Jazz Ende des 19. Jahrhunderts vornehmlich im Ballungsgebiet New Orleans und war damit der erste Jazzstil überhaupt.
Der New Orleans Jazz – Entstehung und Charakteristika
New Orleans war Ende des 19. Jahrhunderts ein „Melting Pot“ verschiedener Rassen. Da alle „Farbigen“ Amerikas durch ein Rassentrennungsgesetz von 1889 als zweitklassige Bürger deklariert wurden, teilten die Creolen französischer (europäischer) Herkunft und die schwarzen Afroamerikaner ihr deklassiertes Schicksal. Dieses gemeinsame Schicksal schlug sich vor allem in der fruchtbaren musikalischen Zusammenarbeit, im Jazz, nieder. Überall taten sie sich zu Bands zusammen und vereinten ihre europäischen und afroamerikanischen Wurzeln zu einem neuen Musikstil. Aus Ragtime, Märschen, Spirituals, Blues und europäischen Tänzen entstand der New Orleans Jazz.
Der New Orleans Jazz ist einerseits durch europäische Elemente wie marschartige Rhythmen, andererseits durch afroamerikanische Elemente wie die so genannten „blue notes“ geprägt. Hierbei wird die absichtlich unreine Tongebung im Blues mittels Instrumenten nachgeahmt. Weitere stilbildende Merkmale waren die Kollektivimprovisation und die Call-and-Response-Technik, die vor allem der Tradition der Spirituals entspringt.
Zu den einflussreichsten Bands dieser Stilrichtung zählen vor allem Jelly Roll Morton’s Red Hot Peppers, Louis Armstrongs „Hot Five“ und „Hot Seven“ sowie Joe King Olivers „Creole Jazz Band“.
Der Dixieland Jazz: Die Weißen machen’s nach
Um 1910 zog der weiße Teil der Bevölkerung New Orleans nach und entwickelte eine eigene Stilrichtung: den Dixieland Jazz. Obwohl man gerade anfangs versuchte sich von der vornehmlich schwarzen Stilrichtung des New Orleans Jazz zu unterscheiden, sind die Gemeinsamkeiten mehr als offensichtlich. Diese sind vor allem in der Call-and-Response-Technik, der Kollektivimprovisation und den marschartigen Rhythmen zu sehen. Um Gegensatz zum New Orleans Jazz bemühte man sich hierbei allerdings um reinere Harmonien und glattere Melodien.
Ab den 1930er Jahren waren New Orleans und Dixieland Jazz allerdings nur noch schwer voneinander unterscheidbar, was nicht zuletzt auch daran gelegen haben mag, dass viele Musiker beide Stilrichtungen betrieben. Louis Armstrong beispielsweise spielte mit seinen All Stars auch Dixieland.
Als bekannteste Band dieser Stilrichtung gilt die Original Dixieland Jazz Band (ODJB). Diese war es auch, die im Jahre 1917 die erste Jazzplatte überhaupt in einem Studio aufnahm.