Ragtime – Scott Joplin zerreißt die Zeit
Ragtime ist ein Vorläufer des Jazz, der hauptsächlich in Form von Klaviermusik auf sich aufmerksam machte. Scott Joplin war zwar nicht der Vater des Ragtime aber die wohl schillerndste Persönlichkeit dieser einzigartigen Musikrichtung.
„The Entertainer“ und der „Maple Leaf Rag“ gehören nicht nur zu den bekanntesten Stücken des Pianisten Scott Joplin, sondern auch zu den beliebtesten Ragtime Kompositionen aller Zeiten. Geschrieben 1899 und 1902 spiegelten sie das Lebensgefühl einer ganzen Ära wider und mündeten direkt in die sich entwickelnden Jazzquellen, um sich zusammen mit schwarzen und weißen Musiktraditionen zu einem reißenden Strom zu entwickeln, der Millionen begeistern sollte.
Ragtime – charakteristische Merkmale
Der Ragtime wird heutzutage hauptsächlich als Klaviermusik wahrgenommen, dabei wurde er um 1900 auch auf dem Banjo und von größeren Ensembles gespielt. Seine Namensgebung rekuriert in erster Linie auch nicht auf eine bestimmte Besetzung, sondern vielmehr auf die Art der Ausführung. Charakteristisch für diesen Stil sind die Synkopen, die eine besondere Spannung erzeugen und vom in den 1890er Jahren aufgekommenen Tanzstil, dem Cakewalk, übernommen wurden.
Synkopen verschieben die Betonung innerhalb eines Taktes von den eigentlich betonten Zeiten auf unbetonte Zeiten, wodurch das Gefühl entsteht, das Metrum würde verlagert oder gar aufgehoben. In der linken Hand wird dem ein gerader 2/4-Takt entgegengesetzt, wodurch ein Gefühl zerrissener Zeit (= ragged time) entsteht.
Anders als viele spätere Stilrichtungen des Jazz war der Ragtime ursprünglich keine improvisierte, sondern in weiten Teilen eine auskomponierte Musik. Das Element des Zufalls sollte erst später zur Entwicklung des Jazz hinzutreten.
Scott Joplin und seine Vorgänger
Gilt Scott Joplin auch heute noch als der bekannteste Vertreter dieses Stils, so war er damals nicht der Vorreiter des Ragtime. Als seine Vorgänger sind vor allem Tom Turpin, Theodore Northrup und Jesse Pickett zu nennen. Sie alle machten sich bereits in den 1890er Jahren den Ragtime zu eigen.
Scott Joplin wurde vor allem für seine außergewöhnlichen Ragtime-Kompositionen bewundert, die eine Verbindung der romantischen Klaviertradition mit afroamerikanischen Stilelementen darstellten. Mit seinem Tod 1917 ist das Ende der Ragtime-Ära und der Beginn der Jazz-Ära anzusetzen.
„The Entertainer“ und „Maple Leaf Rag“
„The Entertainer“ und der „Mape Leaf Rag“ sind die wohl bekanntesten Ragtimes Scott Joplins. Der „Maple Leaf Rag“ war das erste Stück Musik überhaupt, dessen Noten über eine Million Mal in gedruckter Form vertrieben worden sind. „The Entertainer“ erschien nur drei Jahre später und war ähnlich erfolgreich. Dieser Rag erschien im Nachhinein auch als Bearbeitung für Orchester. Er wurde zudem im Film „Der Clou“ 1973 als Titelmusik verwendet.