Trompeter-Legende Miles Davis: Er gab dem Jazz tausend Gesichter
Unvergessen bleibt Miles Davis’ Interpretation von “Time after time” und die Spontaneität des Jazztrompeters auf dem meistverkauften Jazzalbum überhaupt: “Kind of Blue”. Ob im Quintett für das modale Milestones-Album oder als Solist an der Seite anderer Jazzlegenden, sind seine Songs nicht “all blues”, aber doch “kind of blue”.
Wenn im Radio eine coole Trompete mit einer bluesigen Note jazzt, dann ist das kein anderer als der Jazztrompeter, Flügelhornist und Komponist Miles Dewey Davis. Der 1991 verstorbene US-amerikanische Musiker hat den Jazz eingängig geprägt und ihm immer wieder neue Gesichter entlockt.
Der experimentierfreudige Musiker ist besonders durch seine Improvisationen mit wenigen, lang gehaltenen Tönen auf seiner Trompete mit metallischem Harmon-Dämpfer berühmt geworden, die den Miles-Davis-Sound ausmachen.
In verschiedenen Bands mit immer wieder wechselnder Besetzung hielt er alles zusammen. Vom Charlie Parkers Quintett und Bebop bis hin zum Cool Jazz, Fusion und Jazz-Pop hauchte er der Jazzszene immer wieder neues Leben ein.
Biographischer Hintergrund
Miles Davis wurde 1926 in Illinois als Kind reicher Eltern geboren und wuchs in der toleranten Atmosphäre ohne Rassentrennung von St. Louis auf. Mit neun Jahren bekam er seine erste Trompete geschenkt, hatte aber erst ab 13 Jahren Unterricht.
Sein musikalisches Talent und seine Leidenschaft für Jazz und Blues zeigten sich schnell. Entgegen dem damals gängigen Vorurteil gegenüber dieser Musik kam Davis aus gutem Hause und gab so vor allem dem Blues durch seine unvergleichliche Karriere einen kompletten Imagewechsel.
Miles Davis war Zeit seines Lebens in keine Schublade zu packen. Seine Experimentierfreude und Improvisation hat neue Musikstile geschaffen. Davis war musikalisch nur in einer Hinsicht streng konservativ: Er beharrte immer darauf, innovative, neue Ansätze und Gesichter des Jazz herauszukitzeln.
Zu erfolgreichen Zeiten mussten Alben wie am Fließband produziert werden. Für Davis kein Problem: Er nahm auch schon mal vier Alben in zwei Tagen auf.
Holpriger Werdegang einer Jazzlegende
Beeinflusst vom älteren Clark Terry schlug Davis eine musikalische Laufbahn ein, von der ihn auch seine Mutter nicht mehr abhalten konnte. Zwar brach er das ihm zu konservativ erscheinende Musikstudium in New York nach drei Semestern ab, machte aber die Bekanntschaft mit Dizzy Gillespie und Charlie Parker, bei dem er bald im Quintett spielte und 1945 den Bebop weiter bekannt machte.
Während der Zusammenarbeit mit Gil Evans drohte Davis, wie viele seiner Musikerkollegen, in den Drogensumpf abzurutschen. Erst 1955 tauchte Davis beim New Port Jazz Festival überraschend wieder auf, gründete verschiedenen Quintette und Sextette und veröffentlichte 1959 mit riesigem Erfolg das Album „Kind of Blue“.
Die Diagnose der Erbkrankheit Sichelzellenanämie sowie familiäre Probleme führten nach dem großen Erfolg zu einem erneuten Rückschlag. Dennoch bildete Miles Davis’ zweites Quintett mit Tony Williams, Herbie Hancock, Ron Carter und Wayne Shorter eine der hochkarätigsten Bands der Jazz-Geschichte.
Neue Wege für den Jazz
Angefangen mit Bebop über Cool Jazz, Hardbop, modalem Jazz und Filmmusik begann Davis mitte der 60er Jahre auch elektrische Instrumente mit einzubeziehen, was die Stilrichtung Fusion bildete und von anderen Musikern weiter verfolgt wurde.
Statt zum Swing zurück zu kehren, widmete Davis sich mit dem Album „Bitches Brew“ (1969) dem Jazz-Rock und erreichte damit kommerziellen Erfolg. Nach einem weiteren Rückschlag kam er erst 1981 zurück auf die Bühne. Davis arbeitete wieder an vielen Projekten, schrieb unter anderem die Filmmusik für den Film „Fahrstuhl zum Schafott“ (1958) und veröffentlichte 1985 „You`re under arrest“, eine Kombination aus Pop- und Jazzmusik.
Sein letztes experimentelles Projekt mit dem Hip-Hop-Produzenten Easy Mo Bee konnte er nicht fertig stellen. Aufnahmen eines ersten Hip-Hop-Jazz-Albums wurden dennoch veröffentlicht. Miles Davis verstarb im September 1991 nach einem Schalganfall, der ihn ins Koma versetzt hatte.
