Scat-Gesang: Nachahmung von Instrumenten mit der menschlichen Stimme

Kategorie: Rund um den Jazz // Geschrieben von Christin

Scat-Gesang ist eine Art rudimentärer Gesang, der aus Wortfragmenten, Vokalisen und Silben besteht. Der Scat gibt Sängern die Möglichkeit der Nachahmung, Unterstützung oder gar des Ersatzes instrumentaler Partien durch die menschliche Stimme und dient somit der vokalen Improvisation.

„Ski-bi-di-bi-di-yum-da-dob-do“ – So oder so ähnlich schallte es aus vielen Radioempfängern im Jahr 1995, denn Scatman John hatte sich mit seinem Gesangskauderwelsch ganz nach oben in die internationalen Charts katapultiert. „Ski-Ba-Bop-Ba-Dop-Bop“ oder schlicht und einfach „Scatman“ hieß der Song, der dem mittlerweile verstorbenen Musiker zu weltweitem Ruhm verhalf. Mit seinem Euro-Dance-Pop scattete er sich in die Herzen seiner Zuhörer und brachte eine Gesangstechnik in die moderne Popkultur, die eigentlich schon lange Zeit vorher im Jazz praktiziert worden war.

Scat-Gesang im Jazz

Ella Fitzgerald beispielsweise nutzte den Scatgesang vornehmlich, um Zwischen-, Vor- oder Nachspiele gesanglich zu improvisieren. Mittels eng aneinander gereihter Vokalisen und Wortfragmente ahmte sie nahezu lautmalerisch den Klang der Instrumente nach, die sie begleiteten. Bekannte Songs mit Scateinlage sind z.B. „Lullaby of Birdland“ oder „How High the Moon“, die sich auch im Repertoire einer weiteren bekannten Jazzsängerin, Sarah Vaughan, befanden. Ein Musterbeispiel für 100%ig gefühlten Scat in Perfektion ist Ellas Interpretation des “One Note Samba” aus 1969:

Scat Gesang ist oft auch unter Instrumentalisten verbreitetet, die zum Spiel ihres Instrumentes zusätzlich ihre Stimme zum Einsatz bringen. Zu beobachten ist dies unter anderem bei Solokünstlern wie Keith Jarrett.

Scat in der modernen Popkultur

Auch heutzutage nutzen Künstler den Scat-Gesang um ihrer Musik das gewisse Etwas zu verleihen. Ein Beispiel dafür ist z.B. Amy Winehouse, die ihre ohnehin dem Jazz zugeneigte Musik durch Scat-Strukturen erweitert und bereichert. Im Intro ihres ersten Albums „Frank“ sind beispielsweise Fragmente des Scat zu hören. Auch der englische Sänger und Multiinstrumentalist Jamie Cullum, der den Jazz der Popmusik näherbrachte, nutzt Scat, um seine Musik vielfältiger zu gestalten.

Scat-Gesang lernen

Um Scat-Gesang zu erlernen empfiehlt es sich unbedingt ein Instrument, bestenfalls ein Klavier oder eine Gitarre zur Hand zu haben. Um das Gefühl für den Scatgesang zu bekommen, sollte man zunächst einmal die Blues-Skala spielen und singen lernen. Besonders wichtig sind die erste, die dritte und die 7. Stufe der Blues-Skala um die jeweilige Tonart darzustellen, in der wir uns gerade befinden. Diese drei Stufen sollten dementsprechend häufig in der gescatteten Passage auftauchen. Dann benötigt man nur noch ein wenig Fantasie was die rhythmische Gestaltung und die Aneinanderreihung der Töne angeht, sowie ein paar passende Silben, die sich auf den jeweiligen Tonhöhen gut anfühlen. Und schon kann man Scatten.

Natürlich ist das alles nicht ganz so einfach wie es klingt. Es gehört eine Menge Gefühl und Hörerfahrung dazu, um professionell zu scatten. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich natürlich sich Songs der großen Jazzladies Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan zu Gemüte zu führen und sich klar zu machen, wie sie den Scat umsetzen. Wer mit wachem Gemüt und Gehör durch die Jazzwelt geht, der wird schon bald merken, dass es ihm immer und immer leichter fällt Wendungen nicht nur nachzuahmen sondern auch selbst zusammenzustellen.

Scat on! Jazz on!

Verwandte Artikel

Pingback & Trackback
Kommentar schreiben
Name

E-Mail (wird nicht veröffentlicht)

Webseite (optional)

Nachricht